Vorstand, Caritasrat sowie Geschäftsführung wurden satzungsgemäß von der Delegiertenversammlung für das Geschäftsjahr 2022 entlastet.
Bei der diesjährigen Delegiertenversammlung des Caritasverbandes Steinfurt e.V. im Zweigwerk der Caritaswerkstätten Langenhorst in Steinfurt nahmen die Delegierten aus den sieben Mitgliedspfarreien und die weiteren Mitglieder die Berichterstattung über die wesentlichen Entwicklungen und wirtschaftlichen Ergebnisse des vergangenen Jahres entgegen.
Der Vorsitzende des Caritasverbandes, Pfarrdechant Johannes Büll, begrüßte die Delegierten sowie die Ehrenamtlichen in den Gremien und die hauptberuflich Mitarbeitenden des Caritasverbandes. Bezugnehmend auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, welches den Caritas-Grundsatz "Not sehen - und handeln" prägt, erklärte Pfarrdechant Büll: "Um der Not in ihren vielfältigen Facetten abzuhelfen, braucht es zielgerichtete Hilfen und klare Strukturen. Als Caritas bieten wir viele solcher Hilfen an, die wir als Einzelpersonen oder auch als einzelne Pfarrei vor Ort gar nicht bieten könnten." Damit die Hilfen effizient bleiben, braucht es die Weiterentwicklung der Strukturen, indem Hilfe professionalisiert und der Not "auf den Grund" gegangen wird.
Die beiden Geschäftsführer des Caritasverbandes Steinfurt, Burkhard Baumann und Gregor Wortmann, resümierten das Geschäftsjahr 2022 und stellten inhaltliche Schwerpunkte der Verbandsarbeit vor. Derzeit beschäftigt den Verband intensiv der Neubau der Geschäftsstelle auf dem Gelände des ehemaligen Theresia-Kindergartens der Pfarrei St. Nikomedes. Die Errichtung des ersten Bauabschnitts mit Büroflächen für rund 75 Mitarbeitende der Verwaltung des Caritasverbandes hat planmäßig im Januar 2023 begonnen, Ende 2024 soll das Gebäude bezugsfertig sein.
Eine Arbeitsgruppe, die sich mit den weiteren Folgen des im letzten Jahr veröffentlichten Missbrauchsgutachtens des Bistums Münster befasst, hat bereits einige Prozesse angestoßen, berichtete Burkhard Baumann. Ein Ergebnis ist die Schaltung einer Internet-Seite, mit der den Betroffenen eine niedrigschwellige Erreichbarkeit ermöglicht werden soll. Mit Blick auf Menschen mit Behinderungen wird eine Handreichung in leichter Sprache bereitgestellt, damit dieser Personengruppe Informationen zum Missbrauch leichter zugänglich sind. Ferner werden derzeit rund 20 Mitarbeitende des Caritasverbandes geschult, damit diese als Multiplikatoren wiederum den Menschen in den Einrichtungen des Caritasverbandes Wissen im Feld der Prävention vermitteln und aufklären.
Im Anschluss berichtete Burkhard Baumann aus dem Feld der Altenhilfe, die von der Domus Caritas gGmbH verantwortet wird. Verschiedene Bau- und Einrichtungsprojekte schreiten weiter voran. So soll ein neues Altenheim auf dem Care Campus in Steinfurt-Borghorst und ein neues Altenheim am Bahnhofshügel in Altenberge entstehen. Zudem ist eine Übernahme der Trägerschaft des Hauses Loreto der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung in Horstmar-Leer für das kommende Jahr in Vorbereitung. Der Neubau für das Dezentrale Stationäre Wohnen (DSW) am Wiemelfeld für psychisch kranke Menschen soll ab Anfang 2024 belegt werden. Bereits seit dem vergangenen Jahr betreibt die Domus Caritas eine neue Tagesstruktur-Einrichtung für psychisch kranke und suchtkranke Menschen am Rolevinckhof 7 in Laer.
Umzüge in neue, angemietete Räumlichkeiten haben die Sozialstation in Horstmar (Münsterstraße 3) und die Sozialstation in Ochtrup (Weinerstraße 20) zu verzeichnen. In Laer ist die Pflegeberatung zum Rolevinckhof 1 umgezogen und die Sozialstation Steinfurt ist erweitert worden und hat nun auch ein Pflegebüro in den Räumen der Pflegeberatung in Altenberge (Südstraße 18) eröffnet.
Trotz bleibend hoher Nachfrage ist die Auslastung der stationären Einrichtungen der Altenhilfe aufgrund von Personalmangel zurückgegangen und liegt derzeit bei knapp 96 Prozent. Daher ist der Bereich der Personalgewinnung weiterhin ein zentrales Thema für die Domus Caritas, welches mit diversen Maßnahmen angegangen wird. Unter anderem sind seit Oktober 2022 sechs Auszubildende in der Altenpflege aus dem Ausland eingestellt worden, vier Frauen aus Indien und zwei Frauen aus Kamerun. Darüber hinaus soll ein "Domus-Springer-Pool" für Pflegekräfte entstehen, um temporärem Personalmangel künftig einrichtungsübergreifend begegnen zu können.
Gregor Wortmann informierte über die Aktivitäten in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen im Caritasverband und der Tectum Caritas gGmbH. Rund 2.100 Menschen nahmen im vergangenen Jahr die vielfältigen Leistungen und Angebote der Tectum Caritas in Anspruch. Da der Wohnraum für Menschen mit Behinderungen weiterhin knapp ist, hat die Tectum Caritas ein Apartmenthaus für acht Menschen im Ambulant Betreuten Wohnen in Laer (Kolpingweg 7) gebaut, welches in Kürze eingesegnet und seiner Bestimmung übergeben werden kann. Auch in Horstmar ist ein solches Apartmenthaus am Kirchplatz für sechs Menschen im Ambulant Betreuten Wohnen geplant. Die beiden dafür notwendigen Grundstücke konnten bereits erworben und baureif gemacht werden. "Wir hoffen auf einen Baubeginn noch in diesem Jahr", so Wortmann. Die geänderten fachlichen Anforderungen haben zu strukturellen Anpassungen der Aufbauorganisation insbesondere im Wohnbereich geführt, die mit gutem Erfolg nun in der Umsetzungsphase sind.
Annika Koke berichtete aus dem Bereich der offenen Beratungsdienste und der Gemeindecaritas. Derzeit baut die Sucht- und Drogenberatungsstelle in Kooperation mit der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde und dem Heinrich-Roleff-Haus einen Offenen Mittagstisch in den Räumen des evangelischen Gemeindehauses (Fürstenstraße 9) in Steinfurt-Borghorst auf. In Steinfurt-Borghorst hat der Caritasverband die Trägerschaft der Kleiderkammer und Babykorb von der Pfarrei St. Nikomedes übernommen und stärkt damit die niedrigschwelligen Angebote für Menschen in Not.
Dominik Mielert-Reiners von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "Solidaris Revisions-GmbH" informierte die Delegiertenversammlung über die wirtschaftliche Entwicklung des Caritasverbandes und seiner Tochtergesellschaften, der Domus Caritas gGmbH (Altenhilfe) und der Tectum Caritas gGmbH (Behindertenhilfe). Für den Jahresabschluss wurde der uneingeschränkte Bestätigungsvermerk erteilt. Auch Pfarrer Stefan Hörstrup, der Vorsitzende des für Beratung und Kontrolle der Vereinsorgane zuständigen Caritasrates, bestätigte die einwandfreie Arbeit von Vorstand und Geschäftsführung.
Der Caritasverband Steinfurt e.V. sowie seine Tochtergesellschaften, Domus Caritas gGmbH und Tectum Caritas gGmbH, versorgen in der Region rund 3.200 Klientinnen und Klienten. Schwerpunkte der Arbeit sind die Bereiche Altenhilfe und Behindertenhilfe mit ambulanten und stationären Angeboten. Rund 1.450 Mitarbeitende sind beruflich für den Caritasverband tätig. Unterstützend engagieren sich zahlreiche Menschen ehrenamtlich in den verschiedenen Bereichen.