Altenheimleiter zu Corona: "Es wird wieder bedrohlicher"

16.11.2020 // Stephan Antfang leitet im münsterländischen Ochtrup als Angestellter der Caritas zwei Altenheime. "Die steigenden Infektionszahlen machen mir Sorgen", sagt er im Redaktionsnetzwerk-Deutschland-Interview. Allerdings seien die Altenheime auf die neuen Herausforderungen vorbereitet.

Von Markus Decker

Herr Antfang, mit den steigenden Corona-Infektionszahlen geraten auch die Alten- und Pflegeheime wieder in den Blick. Ist das so bedrohlich wie im Frühjahr? Oder ist es anders?

Es wird wieder bedrohlicher. Die steigenden Infektionszahlen bereiten mir Sorgen. Der trügerisch entspannte Sommer mit sinkenden Zahlen hat offensichtlich dazu geführt, dass die Menschen sorgloser werden. Anders als im Frühjahr haben wir nun ausreichende Schutzausrüstung - allerdings bei Preissteigerungen von bis zu 400 Prozent. Und unsere Hygienekonzepte stehen. Wir sind vorbereitet!

Im Frühjahr konnten viele Heimbewohner keinen Besuch empfangen, manche starben ohne Angehörige. Ist damit erneut zu rechnen?

Besuche zur Sterbebegleitung waren bei uns immer möglich, auch wenn die Umstände mit Besuchsbegrenzungen und Schutzkleidung unsäglich waren. Das wird jetzt nicht mehr passieren. Die Häuser sind für Besucher ja auch wieder geöffnet, das ist gut und richtig so und wird meiner Einschätzung nach auch so bleiben. Das muss so sein.

Neu ist ja auf jeden Fall, dass es jetzt Schnelltests gibt. Hilft Ihnen das?

Ja, sie werden helfen. Mit den Schnelltests verbindet sich in jedem Fall die Erwartung, dass wir jetzt schneller Ergebnisse bekommen und nicht mehr tagelang auf Ergebnisse warten müssen. Zudem können Besucher und Dienstleister in die Teststrategie einbezogen werden. Allerdings müssen wir schauen, in welchem Umfang wir tatsächlich testen können und wer die Tests durchführt. Das erfordert personelle Ressourcen, und die sind ja eh schon knapp. Wie ich die uns zustehenden 2800 Tests im Monat für die 140 Bewohner verwenden soll, ist mir noch ein Rätsel.

Sind Sie mit den staatlichen Vorgaben und Hilfen zufrieden? Oder fühlen Sie sich allein gelassen?

Nein, wir fühlen uns nicht allein gelassen. Bei allen Beteiligten gibt es eine große Ernsthaftigkeit, die Probleme anzupacken und zu lösen. Natürlich läuft da nicht immer alles glatt. Manchmal denkt man bei der Vielzahl von Verordnungen und Allgemeinverfügungen schon: "Warum hat niemand angerufen und gefragt, ob das so sinnvoll und umsetzbar ist."

Wie ist die Stimmung unter den Bewohnern? Haben sie sich an das Virus gewöhnt? Oder sind sie coronamüde wie der Rest der Gesellschaft?

Die Bewohnerschaft ist insgesamt sehr gelassen. Die Einschränkungen durch Corona werden bereitwillig hingenommen. Selbst die AHA-Regeln sind den Bewohnern bekannt. Wir gehören ja auch zur Gesellschaft und sind daher auch manchmal coronamüde. Alle Bewohner sind auf jeden Fall sehr erleichtert, dass Angehörige sie wieder besuchen können.

Ohne Impfstoff könnte es noch jahrelang so weiter gehen wie jetzt. Werden Sie damit fertig?

Ja. Wir sind Profis und leisten hochqualifizierte Arbeit. Wenn es noch Jahre dauert, dann werden wir uns der Aufgabe stellen!

Quelle: Redaktionsnetzwerk Deutschland

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