Rückkehr in die Werkstätten in mehreren Stufen

03.06.2020 // Fahrdienst wird zum größten Problem / Gute Erfahrungen mit Abstands- und Hygieneregeln / Behinderte Beschäftigte können noch entscheiden

Jörg Schürmann mit dem neuen Pausenplan für einzelnen Gruppen der Beschäftigten vor der Zweigwerkstatt Emsdetten der Caritaswerkstätten Langenhorst.

Diözese Münster/Emsdetten/Moers/Warendorf (cpm). Der erste Tag war für Jörg Schürmann ziemlich aufregend. Wochenlang hatte der Leiter der Zweigwerkstatt Emsdetten der Caritaswerkstätten Langenhorst mit seinen Mitarbeitern die Rückkehr der behinderten Beschäftigten organisiert. Die Mühe hat sich gelohnt. "Es läuft gut", kann er inzwischen feststellen. 37 von 120 Menschen mit Beeinträchtigungen produzieren unter anderem wieder Lattenroste. In mehreren Schritten nehmen die Behindertenwerkstätten nach und nach den Betrieb auf, ungelöste Probleme bleiben auf dem Weg zur vollständigen Rückkehr.

Schürmann hat die Beschäftigten in vier "Kohorten" aufgeteilt, die sich bei der Ankunft morgens auf dem weiten Gelände vor dem Eingang an Farbtafeln aufstellen und Gruppe für Gruppe das Gebäude mit Abstand betreten. Laufwege sind auf dem Boden in den Produktionsräumen mit großen gelben Pfeilen markiert, Wasserhähne deaktiviert, um den Abstand zu wahren.

Die Beschäftigten halten sich gut an die neuen Regeln, bestätigen auch Henner Lammers von den Freckenhorster Werkstätten und Heinz Dawitz in den Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN). Am 11. Mai endete das grundsätzliche Betretungsverbot, seitdem läuft der Betrieb wieder an. Vorher hatte es nur eine Notbetreuung gegeben für die behinderten Menschen, deren Versorgung zuhause nicht gesichert war.

Jetzt laufen allerorten die Vorbereitungen für die zweite Stufe, um noch mehr Beschäftigte zurückholen zu können. Erst einmal waren es vor allem die ambulant betreuten Menschen, denen die neuen Regeln leichter zu erklären waren. Mit jedem Beschäftigten wird zuvor geklärt, ob er zur Risikogruppe gehört und sich in der Lage fühlt, wieder zu arbeiten. Bei psychisch kranken Menschen beobachtet Schürmann, dass die neue Situation für sie teilweise mit einigen Ängsten verbunden ist.

Bei dem eingeschränkten Betrieb reichen die Kapazitäten des Fahrdienstes noch. In den zum Caritasverband Steinfurt zählenden Werkstätten Langenhorst mit sechs Standorten arbeiten wieder 150 von 900 Beschäftigten, die Freckenhorster Werkstätten mit zehn Standorten haben 470 zurückgeholt und in den CWWN arbeiten 540 der 1.200 behinderten Mitarbeiter in fünf Werkstätten. Sollen noch mehr wiederkommen, sehen alle Werkstattleiter ein großes Problem bei der Beförderung. Mit dem geforderten Abstand reichen die Busse nicht aus.

Sicherlich gebe es genügend Busunternehmer, die sich gerade jetzt über zusätzliche Fahrten freuen würden, erklärt Heinz Dawitz. Aber bislang gebe es seitens der Landschaftsverbände dafür keine Kostenzusage. Wollten alle Beschäftigten zurückkehren, würde das die Kosten dafür verdoppeln. "Da hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe uns den Ball zugespielt und beruft sich dabei auf die Freistellungsverordnung zum Personenbeförderungsgesetz aus der aktuellen Coronaschutzverordnung", sagt Henner Lammers.

Ohnehin ist der Aufwand in der Umorganisation enorm, angefangen von den Pfeilen auf dem Boden bis zur Unterweisung der Beschäftigten, der Aufteilung in zwei oder drei Schichten für Pausen und Mittagessen und die Organisation zusätzlicher Räume dafür. Für die nächsten Stufen wird der nicht geringer. In den CWWN wurden die Tische in den Werkstätten zunächst auseinander gerückt. Aber damit würde der insgesamt zur Verfügung stehende Platz bei weitem nicht für alle Beschäftigten ausreichen, erklärt Heinz Dawitz. Deswegen gehe man jetzt dazu über, Abtrennungen aus Plexiglas zwischen die Arbeitsplätze zu bauen: "Dann können wir zwischen 80 und 94 Prozent unterbringen." Da krankheitsbedingt ohnehin immer ein Teil der Belegschaften ausfalle, würde das wohl passen.

Damit kehren auch Mitarbeitende aus den Werkstätten, die zwischenzeitlich in den Wohnheimen die Betreuung mit übernommen hatten, zurück. Auch für die Wohnheime waren es herausfordernde Wochen, denn in normalen Zeiten ist eine Besetzung dort nur morgens und ab dem Nachmittag erforderlich, weil die Bewohner tagsüber in der Werkstatt sind. Jetzt muss in der Übergangszeit eine gute Balance gefunden werden. Alexander Lürwer, Leiter der Caritaswerkstätten Langenhorst, sieht es als große Herausforderung an, für die Menschen in den Wohnheimen die Rückkehr zu organisieren und gleichzeitig ihre Schutzbedürfnisse dort sicherzustellen.

Die behinderten Beschäftigten können sich jetzt über die Rückkehr zur Arbeit freuen. Der größte Teil ihres Entgeltes stammt aus den Erlösen der Werkstätten. Dieses Entgelt zahlen die Werkstätten zur Zeit noch weiter. Henner Lammers hofft, dass hier nicht auf Dauer doch gekürzt werden muss. Es würde mal wieder die treffen, die nur wenig hätten, was angesichts der ansonsten geschnürten Milliarden-Rettungspakete schwer zu verstehen sein werde.

An Arbeit jedenfalls mangelt es nicht, bestätigt Heinz Dawitz. Man habe auch langfristige Aufträge. Problem sei eher, sie mit den bislang noch wenigen Beschäftigten erledigen zu können. Trotzdem wollen alle Werkstattleiter weiterhin vorsichtig vorangehen und sich bei den weiteren Öffnungsschritten jeweils an den Erfahrungen aus den vorangegangenen Stufen orientieren.

051-2020 (hgw) 3. Juni 2020

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