Seminar für Angehörige von suchtkranken Menschen

12.06.2019 // Die Sucht- und Drogenberatungsstelle des Caritasverbandes Steinfurt arbeitet nicht nur mit Betroffenen von einer Suchterkrankung, sondern auch mit deren Angehörigen. Regelmäßig bietet die Beratungsstelle daher ein Seminar für Angehörige von suchtkranken Menschen an und motiviert diese, sich untereinander zu vernetzen und an Selbsthilfegruppen teilzunehmen.

Die Mitarbeitenden der Sucht- und Drogenberatungsstelle des Caritasverbandes Steinfurt, Ewald Brinker und Hanna Tittmann, leiten das Seminar für Angehörige von suchtkranken Menschen, erreichbar unter 02552 706-10.

Frau A. hat es geschafft - nach zehn Jahren! Lange Zeit stand sie in Co-Abhängigkeit ihres alkoholkranken Mannes. Ihr ganzes Leben drehte sich nur noch um seine Sucht. "Man vergisst sich selbst, im wahrsten Sinne des Wortes, und denkt nur noch an die Sucht des Partners", sagt Frau A. rückblickend. "Die oder der Co-Abhängige stützt die Sucht des Erkrankten durch Rollenkonformität und Verheimlichung gegenüber dem Verwandten- und Bekanntenkreis", erklärt Suchtberater Ewald Brinker.

Mit dem Aufsuchen der Sucht- und Drogenberatungsstelle tat Frau A. dann den entscheidenden Schritt zur Veränderung sowohl ihrer persönlichen Situation als auch des familiären Gefüges. Anfangs war ihr Mann noch uneinsichtig. Das änderte sich aber je mehr Frau A. aus den eingespielten Verhaltensmustern heraustrat und über die Sucht ihres Mannes offen redete. "Seitdem gab es keine Ausflüchte mehr. Die Verwandten und auch der nähere Freundeskreis wussten dann Bescheid."

"Bei einem Viertel der Familien, die mit Sucht zu tun haben, kommen zuerst die Angehörigen in die Beratungsstelle, weil sie es nicht mehr aushalten", weiß Suchtberater Ewald Brinker. Bei den Angehörigen ist die Perspektive oft über viele Jahre extrem eingeschränkt, alles dreht sich nur noch um die Sucht des erkrankten Familienangehörigen. Erst wenn die Angehörigen Konsequenzen ziehen, die den Suchtkranken unter Zugzwang bringen, kommt etwas in Bewegung, denn: "Ohne Druck kommt selten einer der Betroffenen in die Beratungsstelle."

Das erlebt auch Frau B., die seit 30 Jahren mit ihrem alkoholkranken Partner zusammenlebt, wie sie im Angehörigen-Seminar berichtet. Dieser "trinkt zwar nur 'quartalsweise', dann aber bis zum Exzess". Oft hat sie ihren Mann dann zum Arzt gebracht und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für ihn erwirkt, damit er nicht seinen Job verliert. Dadurch hat sie aber auch lange Zeit seine Sucht gestützt, wie sie heute weiß. "Aber ich mache das nicht mehr mit!", erklärt Frau B. entschlossen. "Wenn es noch einmal passiert, bin ich weg, weil ich diese Sucht nicht mehr ertragen kann."

"Durch Konsequenzen für sich sorgen zu lernen, braucht Zeit", erklärt Ewald Brinker. Bestenfalls führt das den suchtkranken Angehörigen aus der aktiven Sucht heraus. Damit die Abstinenz dann von Dauer ist, muss allerdings das Beziehungsverhalten im familiären System für das künftige Zusammenleben neu erlernt werden. Gleichwohl kann es Rückfälle geben, manchmal mit Auslöser oder auch ohne. Manchmal können die Angehörigen einen solchen Rückfall verkraften, manchmal auch nicht. "Dann kann es zur dauerhaften Trennung der Angehörigen von dem suchtkranken Menschen kommen", beschreibt Brinker die Bandbreite von möglichen Reaktionen des sozialen Umfeldes.

Nachdem ihr Mann eine Therapie gemacht hat und bis heute trocken ist, engagiert sich Frau A. in einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen von suchtkranken Menschen. "Wir sprechen dort über unsere Gefühle", sagt Frau A., "denn wir haben ja auch noch ein eigenes Leben." Die Gruppe trifft sich monatlich donnerstags von 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr in den Räumlichkeiten der Sucht- und Drogenberatungsstelle, Emsdettener Strasse 22. Zu dieser Gruppe wollen künftig auch Frau B. und die anderen aus dem Angehörigen-Seminar hinzu stoßen, um die Hoffnung auf Veränderung nicht aufzugeben.

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