Ein Stück Heimat für Betroffene

08.09.2018 // Die Sucht- und Drogenberatungsstelle des Caritasverbandes Steinfurt feiert ihr 40-jähriges Bestehen.

Freuen sich auf den Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten am 16. September mit einer Vernissage in den Räumen der Beratungsstelle (von rechts): Ruth Melzer, Heike Hille, Ewald Brinker und Geschäftsführer Burkhard Baumann.

"Ein Stück Heimat" ist das, was die Suchtberatungsstelle in Trägerschaft des Caritasverbandes Steinfurt für ihre Besucherinnen und Besucher seit 40 Jahren anbietet. "Unsere Arbeit lebt von Beziehungen", sagt dazu Suchtberaterin Heike Hille. "Dafür schaffen wir mit unserer Beratungsstelle einen geschützten Raum für Menschen, die sonst keinen Raum haben." So sind über die Jahre viele Menschen in die Beratungsstelle gekommen - mit unterschiedlicher Verweildauer und Beratungsintensität. "Manche nehmen unsere Angebote schon seit Jahrzehnten wahr. Diese Menschen haben bei uns im Haus wirklich dieses Stück Heimat gefunden."

"Wir sind mehr als ein Sozialdienstleister, wir sorgen und kümmern uns um die Menschen und entwickeln mit diesem Anspruch unsere Angebote", erklärt Suchtberater Ewald Brinker. So hält die Suchberatungsstelle seit ihren Anfängen ein differenziertes Angebot in den Bereichen Beratung und Therapie vor, das den Bedarfen der Ratsuchenden entspricht - "von niederschwelliger bis zu therapeutischer Qualität". Zudem ist die Beratungsstelle intensiv mit verschiedenen Kooperationspartnern vernetzt und vermittelt zum Beispiel in das Ambulant Betreute Wohnen für Menschen mit einer Suchterkrankung.

Der Umzug der Beratungsstelle in die neuen Räumlichkeiten an der Emsdettener Straße 22 im vergangenen Jahr hat entscheidend dazu beigetragen, die Eingangsschwelle im wahrsten Sinne des Wortes noch niedriger zu machen. "Wir sind froh, dass wir damit die Beratungsstelle gegenüber unseren Klienten weiter öffnen konnten", so Heike Hille. So können die suchtkranken Menschen besser erreicht werden. Zudem ist damit die Beratungsstelle gut in die Nachbarschaft - zwischen Geschäften, Lokalen und anderen Institutionen - integriert.

Die Niederschwelligkeit und Offenheit der Beratungsstelle zieht sich durch die vier Jahrzehnte. Angefangen hat es mit der Sozialarbeiterin Irmtraud Heckmann mit Streetwork in den 70'er und 80'er Jahren. Aufgrund der Suchthilfebedarfe wurde eine wichtige politische Entscheidung im Kreis Steinfurt getroffen: Die Einführung der Substitutionbehandlung und -begleitung von drogenabhängigen Menschen. Das hat die Suchthilfe positiv verändert, Leben gerettet und maßgeblich die Anzahl der Drogentoten verringert.

Darüber hinaus gab und gibt es immer schon offene Begegnungsangebote, etwa das Montagscafé. Das Offene Wohnzimmer ist in jüngster Zeit hinzugekommen. Hier begegnen sich Menschen außerhalb der regulären Öffnungszeiten zum Austausch bei Kaffee, gemeinsamen Kochen und Musik. Hinzu kommen Sprechstunden in den umliegenden Kliniken und aufsuchende Arbeit nach Absprache auch zu Hause. Ein weiterer Schritt, die offene Arbeit der Beratungsstelle zu entwickeln, wird sein, auch Betroffene als Ehrenamtliche einzubinden und so ihren Interessen weiteren Raum zu geben.

Eine Suchterkrankung kann jeden treffen - unabhängig von der Herkunft oder des sozialen Status' - und ist eine gesellschaftliche Problematik. Daher sollte Sucht zunehmend als eine behandlungsbedürftige Erkrankung gesellschaftlich anerkannt werden, wünschen sich die Suchtberater. "Wir wollen die Ängste, Hemmnisse und Vorurteile abbauen helfen." Denn, das ist für Heike Hille auch klar: "Die ersten Schritte, um Hilfe zu suchen, fallen oft schwer. Bei uns darf jedoch jeder sein, wie er ist, und wird so angenommen. Das bindet und schafft ein Stück Heimat seit nunmehr 40 Jahren."

Dem Caritasverband Steinfurt als Träger der Suchtberatungsstelle war es im Laufe der Jahrzehnte immer wichtig, dieses Angebot für suchtkranke Menschen in Steinfurt und Umgebung vorzuhalten. "Gerade wegen der häufig auftretenden Multiproblemlagen war und ist es uns ein besonderes Anliegen, die Not suchtkranker Menschen wahrzunehmen und zu lindern", erklärt Geschäftsführer Burkhard Baumann. Auch der Kreis Steinfurt sowie die Städte Steinfurt und Ochtrup als Kostenträger haben die Suchtberatung über die vielen Jahre stets gefördert "Daher haben wir ein gutes Gefühl, dass unsere Arbeit von der Öffentlichkeit sehr anerkannt wird, und das auch in Zukunft", betonen die Suchtberater.

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