Soziales Engagement für Bedürftige weiter gefragt

28.09.2017 // Vor 25 Jahren ist das damals neuartige Betreuungsgesetz für Menschen mit Unterstützungsbedarf in Kraft getreten. Mit einem Informationstag im Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Steinfurt würdige der Caritasverband Steinfurt diese Errungenschaft für Personen mit einer Behinderung oder ältere Personen. Zugleich machten die Verantwortlichen die steigende Nachfrage an Engagierten für dieses soziale Ehrenamt deutlich.

Machen sich stark für Betreute (von links): Rudolf Adrian (Betreuungsbehörde Kreis Steinfurt), Manuel Pottmeier und Kollegin Verena Wilmer (Betreuungsverein des Caritasverbandes Steinfurt) Burkhard Baumann (Geschäftsführer des Caritasverbandes Steinfurt)

In ihrem Grußwort würdigte Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer das Engagement der Ehrenamtlichen im Bereich der rechtlichen Betreuung.

Manuel Pottmeier

Burkhard Baumann, Geschäftsführer des Caritasverbandes Steinfurt, lobte die Einführung des neuen Betreuungsrechts vor 25 Jahren, das Begriffe wie "Vormundschaft" und "Entmündigung" von Erwachsenen abgeschafft hat. Mit der Gründung des Betreuungsvereins 1994 reagierte der Caritasverband auf diese Gesetzesnovelle, denn: "Für die Caritas stand und steht bis heute die persönliche Betreuung von Bedürftigen im Vordergrund, vor allem auch durch Ehrenamtliche." So sind zurzeit 142 Ehrenamtliche im Betreuungsverein tätig, die durch die beruflich Mitarbeitenden des Caritasverbandes beraten und begleitet werden.

Die Bürgermeisterin der Stadt Steinfurt, Claudia Bögel-Hoyer, würdigte in ihrer Begrüßung das Engagement der Ehrenamtlichem im Bereich der rechtlichen Betreuung, gerade auch angesichts einer zunehmend alternden Gesellschaft. Rudolf Adrian von der Betreuungsbehörde des Kreises Steinfurt stellte die aktuelle Situation der Betreuten im Kreis Steinfurt vor und erklärte das Zusammenspiel seiner Institution mit den Betreuungsgerichten sowie den Berufsbetreuern und den ehrenamtlichen Kräften.

"Das Betreuungsrecht dient dem Schutz und der Unterstützung erwachsener Menschen, die wegen einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst regeln können", so Manuel Pottmeier, Berufsbetreuer beim Caritasverband. Diese Situation könne nicht nur aufgrund einer Krankheit und des Alters eintreten, sondern zum Beispiel auch durch einen Unfall, in dessen Folge die betroffene Person ganz oder teilweise handlungsunfähig wird, betonte Pottmeier. Er appellierte daher an alle, sich frühzeitig um eine rechtliche Absicherung, etwa durch eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung, zu kümmern. Die Teilnehmenden an der Veranstaltung hatten die Chance, den Fachleuten direkte Rückfragen zu stellen, die das Spektrum und die Komplexität des Betreuungsrechts aufzeigten.

Von den 6700 Betreuungen, die im Kreis Steinfurt geführt werden, werden zurzeit 54 Prozent ehrenamtlich geführt. Daher besteht weiterhin eine hohe Nachfrage an ehrenamtlichen Betreuerinnen und -betreuern, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen wollen.

Drei Fragen an Manuel Pottmeier

Welche Aufgaben hat ein ehrenamtlicher Betreuer?

Es wird zu Beginn einer Betreuung genau festgelegt, bei welchen Aufgaben der Betreute Unterstützung benötigt. Die Aufgabenbereiche eines Betreuers orientieren sich dann an dem konkreten Unterstützungs- und Hilfebedarf. Das können sein die Bereiche der Vermögenssorge, der Gesundheitssorge, die Aufenthaltsbestimmung, Wohnungsangelegenheiten oder Behördenangelegenheiten. Die Betreuung ist immer auf eine befristete Zeit festgelegt, und der Bedarf wird regelmäßig überprüft.

Welche Voraussetzungen muss ein ehrenamtlicher Betreuer für dieses Engagement mitbringen?

Es gibt keine festgelegten und konkreten Voraussetzungen. Lebenserfahrung, Empathie und Motivation zur Unterstützung sind aus meiner Sicht wichtige Eigenschaften für die Übernahme einer Betreuung. Eine persönliche Eignung dazu wird auch noch einmal im Gespräch mit der Betreuungsbehörde des Kreises festgestellt.

Welche Unterstützung erhält dieser vom Betreuungsverein für sein Engagement?

Fachliche Begleitung, Möglichkeiten der Reflexion und Rücksprache über Alltagssituationen sind ständige Angebote des Betreuungsvereins für die Ehrenamtlichen. Dazu kommen vier bis sechs Fortbildungen im Jahr zu relevanten Themen aus dem Betreuungswesen. Die Teilnahme an den Fortbildungen ist freiwillig. Ebenso gibt es mit anderen ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit dem Ziel der gegenseitigen Beratung und Unterstützung. Ein besonderer Hinweis noch: Wenn ein ehrenamtlicher Betreuer Urlaub machen möchte, dann wird er vertreten von den Mitarbeitern des Betreuungsvereins.

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