50 Jahre Caritaswerkstätten Langenhorst: "Eine riesige Gemeinschaft"

10.09.2019 // Der Caritaswerkstätten Langenhorst der Tectum Caritas gGmbH haben ihr 50-jähriges Bestehen mit einem großen Fest auf dem Gelände der Hauptwerkstatt an der Waldstraße in Ochtrup gefeiert. Vor allem die rund 900 Beschäftigten, aber auch viele Gäste aus dem Bereich des Caritasverbandes waren eingeladen, den Jubiläumstag - auf das Datum genau der 4. September 2019 - miteinander in einer großen Gemeinschaft zu feiern. Die Caritaswerkstätten waren am 4. September 1969 in der ehemaligen Gehörlosenschule in Ochtrup-Langenhorst in Betrieb genommen worden.

Der Tag wurde eröffnet mit einem stimmungsvollen Gottesdienst im Festzelt zum Thema "Gemeinschaft". Bischof Felix Genn war eigens aus Münster gekommen, um den Beschäftigten in den Caritaswerkstätten seine Wertschätzung zu vermitteln. Er feierte den Gottesdienst zusammen mit dem Vorsitzenden des Caritasverbandes, Pfarrdechant Johannes Büll, Pfarrer Stefan Hörstrup von der örtlichen Pfarrei St. Lambertus und Diakon Ludwig Göbel, Vorsitzender des Caritasrates. Geschäftsführer Gregor Wortmann begrüßte die anwesenden Gäste herzlich.

Zu Beginn des Gottesdienstes brachten Beschäftigte selbstgefertigte Kerzen nach vorne und dekorierten damit den Altar. Musikalisch wurde der Gemeindegesang von der Band "FarbSound" der Caritaswerkstätten mit ihrem Leiter Andreas Böking unterstützt. Bischof Felix Genn betonte in seiner Ansprache an die Beschäftigten, dass alle von Gott geliebt sind. "Ihr gehört dazu, weil ihr wichtig seid und jeder von euch zum 'Leib Christi' - das heißt zur Gemeinde der Christen - dazu gehört." An die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt, erklärte der Bischof, dass sie diejenigen sind, "die die Menschen mit Behinderungen spüren lassen, dass sie wichtig sind." Er dankte ihnen, dass sie Kraft, Zeit, Geduld und ihre beruflichen Kompetenzen einsetzen, damit die Werkstätten ihre Arbeit leisten können. Dass Menschen mit Behinderungen unter anderem durch ihre "Spontanität, Unmittelbarkeit und Nähe" eine Bereicherung für die Gesellschaft sind, wollte Felix Genn als eine politische Botschaft verstanden wissen. "Menschen mit Behinderungen sind ein Geschenk für die Gesellschaft", so der Bischof abschließend. Beschäftigte gestalteten den Gottesdienst auch mit, indem sie die Fürbitten vortrugen, und eine Gruppe aus den Werkstätten führte während der Gabenbereitung einen liturgischen Tanz auf.

Im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst entführten Marcel Zinke und Ralf Deckert, Mitarbeiter aus den Caritaswerkstätten, das Publikum auf eine Zeitreise "50 Jahre Caritaswerkstätten". Zu jedem Jahrzehnt erläuterten sie sowohl die Entwicklung der Caritaswerkstätten als auch was sonst im Bereich von Politik und Kirche, in Sport und Musik damals aktuell gewesen war. Beschäftigte der Caritaswerkstätten trugen Verkleidungen - etwa Hippie-Outfits aus den 70'er Jahren oder bunte Jogging-Anzüge aus den 80'er Jahren - tanzten damit auf der Bühne und sorgten für Stimmung und lebendige Erinnerungen an die jeweilige Zeit. Ratespiele zu herausragenden Ereignissen des jeweiligen Jahrzehnts - etwa die Fußballweltmeisterschaft 1974, die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 oder die Wahl des deutschen Papstes 2005 - sorgten für anregende Unterhaltung. Während die Musikgruppe "FarbSound" dem Publikum mit einem Song-Potpourri der 80'er Jahre einheizte, sorgte "Roger macht blau" als Showact mit seinen großen Seifenblasen für Bewunderung beim Publikum. Und bei der Trommelgruppe Heckmeck der St.-Elisabeth-Schule wurde es so richtig laut und rhythmisch.

Besonders die fünf Interview-Runden mit Zeitzeugen ermöglichten Einblicke in die Entwicklungen in den Caritaswerkstätten in den 50 Jahren ihres Bestehens. Unter anderem erzählten die früheren Leiter der Caritaswerkstätten, Günter Born und Hubert Alteepping, von ihren Erfahrungen, und der langjährige Geschäftsführer, Rolf Schürmann, erinnerte sich an das letzte Jahrzehnt seiner beruflichen Tätigkeit mit seinen besonderen Herausforderungen.

In der abschließenden Interview-Runde kamen die aktuellen "Steuerleute" zu Wort: Aufsichtsratsvorsitzender Franz Ruhwinkel, Geschäftsführer Gregor Wortmann und Werkstattleiter Alexander Lürwer. Franz Ruhwinkel stellte die Arbeit im Aufsichtsrat vor und ging auf die erfolgreiche Ansiedlung des Café Knitterfrei "mitten im Ort" ein - ein besonderes Projekt. Als Aufsichtsratsvorsitzender engagiert sich Ruhwinkel, weil er viele Möglichkeiten hat, "aktiv zu gestalten und durch Weichenstellungen an der Entwicklung der Tectum Caritas mitzuwirken".

Gregor Wortmann hob angesichts vieler baulicher Themen die Aktivitäten am Standort Emsdetten hervor, wo eine Arbeitsplatzsteigerung auf 100 Plätze erfolgen konnte. "Toll daran ist, dass für viele Beschäftigte aus Emsdetten wohnortnahe Plätze zur Verfügung stehen und damit der Fahraufwand wegfällt." Erfreulicherweise konnten in der Folge auch für Beschäftigte von PROTEC Werkstattplätze in Emsdetten angesiedelt werden. Die Integration von Menschen mit Behinderungen auf den Arbeitsmarkt - zum Beispiel auf Außenarbeitsplätze oder durch Integrationsunternehmen - bleibe weiterhin Auftrag und Anspruch. Daneben sei es für die Zukunft zunehmend wichtig, "dass wir deutlich machen, dass die Caritaswerkstätten für viele Beschäftige auf Dauer der richtige, angepasste Arbeitsort sind. Da müssen wir mit der Politik dauerhaft im Gespräch bleiben", betonte der Geschäftsführer.

Alexander Lürwer, der seit drei Jahren die Caritaswerkstätten leitet, zeigte sich begeistert von den Menschen, die in den Werkstätten tätig sind. "Jeder Mitarbeitende und jeder Beschäftigte bringt seine individuellen Fähigkeiten, seine Kreativität und seine Persönlichkeit bei uns ein. Und dadurch entsteht immer wieder Neues, und wir entwickeln uns stetig weiter. Es ist spannend zu erleben, wie wir Hand in Hand gemeinsam große Herausforderungen meistern: Zum Beispiel große Kundenaufträge für bekannte Hersteller bearbeiten, etwa Lattenroste oder Kaffeekannendeckel herstellen." Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes wird die Caritaswerkstätten weiter schwerpunktmäßig beschäftigen, so Lürwers Einschätzung. "So sollten wir uns in den nächsten Jahren für Optimierungen und Verbesserungen der Arbeitsplätze einsetzen, so dass wir auch weiterhin jedem einen passenden Arbeitsplatz anbieten können, der seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht." Grundsätzlich hat aber immer in den Caritaswerkstätten zu gelten, "dass der Mensch bei uns im Mittelpunkt steht. Jeder einzelne Beschäftigte soll sich bei uns entfalten können, getreu dem Motto der Caritas: 'Der Mensch zuerst!'"

"Gemeinsam sind wir durch die letzten 50 Jahre gegangen und haben Revue passieren lassen, was in dieser Zeit in der Welt und vor allem in den Caritaswerkstätten Langenhorst so erlebt und erarbeitet wurde - vom Start mit 33 Beschäftigten über Neu- und Umbauten, Leitungswechseln bis zu diesem großen Jubiläum heute mit rund 900 Beschäftigten und 200 Mitarbeitenden", resümierten die beiden Moderatoren Ralf Deckert und Marcel Zinke. "Ein großer Dank an euch, die ihr jeden Tag diese Werkstätten zu dem macht, was sie für uns alle sind: eine riesige Gemeinschaft!"

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