"CaritasZeit" zur Digitalisierung in der Pflege

09.12.2019 // Mit der CaritasZeit veranstaltet der Caritasverband Steinfurt alle zwei Jahre ein Dialogforum, um über grundsätzliche Themen nachzudenken und darüber ins Gespräch zu kommen. In diesem Jahr lautete das Thema "Wie viel Digitalisierung kann, braucht und darf Altenhilfe? - Über die Chancen, Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung in der Pflege".

Geschäftsführer Burkhard Baumann konnte eine Vielzahl an Teilnehmenden aus den Gremien und Mitarbeitenden des Caritasverbandes sowie Vertreter aus dem Diözesancaritasverband und der Politik in den Räumen des Heinrich-Roleff-Hauses in Steinfurt-Borghorst begrüßen. In Anlehnung an das Jahresthema des Deutschen Caritasverbandes "Sozial braucht digital" ging es um den "Megatrend" der Digitalisierung und welche Auswirkungen dieser bereits auf die Pflege hat und künftig noch haben könnte. "Bei allen Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Digitalisierung gilt aber auch: Es ist Entscheidungssache, inwieweit digitale Technologien in der Altenhilfe Einsatz finden sollen", erklärte Baumann in seiner Einführung. "Für 'gute' Entscheidungen braucht es Kenntnis darüber, was technisch geht, aber auch Verständigung über das, was wir als Caritas wollen." Dazu sollten die Diskussionsbeiträge anregen.

In ihrem Vortrag "Wie viel Digitalisierung kann und braucht die Altenhilfe?" führte Dr. Gesa Linnemann, Nachwuchs-Professorin an der Fachhochschule Münster und Mitarbeiterin im Diözesancaritasverband im Projekt "Digitalisierung in der Pflege", in die Entwicklung der Digitalisierung in den letzten Jahrzehnten ein. Sie zeigte auf, welche rasanten Zuwächse es etwa im Bereich der Schnelligkeit von digitalisierten Prozessen und der zu verarbeitenden Datenmengen gegeben habe. Besonders die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) sei durch das Wachstum im Bereich der Digitalisierung zum Durchbruch gekommen und werde nun zunehmend auch im Sozial-Sektor eingesetzt.

In der Altenhilfe gebe es verschiedene Bereiche, in denen digitalisierte Technik angewendet werden könnte, so Dr. Linnemann, etwa bei der Dokumentation von Pflegeprozessen, bei den technischen Hilfsmitteln in der Pflege oder in der Robotik, darunter Service-Roboter für Pflegende sowie so genannte "sozio-assistive" Roboter zur Aktivierung pflegebedürftiger Personen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen neigten Personen von selbst tendenziell dazu, Roboter und weitere Medien so zu behandeln, als handele es sich um andere Personen. Das könnte Vorteile für eine leichte Bedienbarkeit der Roboter haben, müsste aber auch in Hinblick auf kritische Situationen bewusst gemacht werden.

Weitere Möglichkeiten zur Entlastung von Pflegekräften durch digitale Anwendungen seien etwa eine leichtere Pflegedokumentierung durch Spracheingabe, die körperliche Entlastung durch intelligente Lifter, Pflegebetten, Pflegewagen oder Reinigungsroboter sowie im ambulanten Bereich eine flexiblere Tourenplanung sowie Telecare - analog zur Telemedizin. Neues Diktum in der Altenhilfe könnte also "digital vor ambulant vor stationär" werden, so die Expertin.

Zur Frage, wo die Digitalisierung in der Altenhilfe tatsächlich angewendet werden sollte, könne es nur individuelle Antworten von Person zu Person geben, erklärte Dr. Linnemann. So könnte etwa die Autonomie, Sicherheit und Gesundheit von pflegebedürftigen Personen gefördert werden, durch die "sozialen" Roboter könnten aber auch Anregung und Unterhaltung geboten werden. Voraussetzung dafür seien Nutzerfreundlichkeit, der Einbezug der künftigen Anwender schon bei der Auswahl der technischen Hilfsmittel sowie die Fortbildung der Mitarbeitenden und Datenschutz und Datensicherheit.

Mit der Frage, wie viel Digitalisierung in der Altenhilfe sinnvoll und ethisch verantwortbar ist, beschäftigte sich Dr. Boris Krause, der als Theologe im Diözesancaritasverband zum Profil, zur Kultur und Ethik caritativer Organisationen arbeitet. Dabei stellte er in seinem Vortrag zentrale Wertorientierungen wie Menschenwürde, Autonomie und Sicherheit von Pflegebedürftigen oder Fachlichkeit und Fürsorge der Mitarbeitenden vor Augen, deren Umsetzung technisch-digitale Hilfsmittel unterstützen müssten, um als ethisch-verantwortlich einsetzbar gelten zu können.

"Egal, welche Entscheidungen getroffen werden, werden in den meisten Fällen bei der Umsetzung nicht alle Werte genau gleich gewichtet werden können", erklärte Dr. Krause. Das digital Machbare müsse in einem fachlichen und ethischen Diskurs überprüft werden - sowohl für jeden Einzelfall als auch auf organisationaler Ebene. Dadurch könnten kreative Lösungen etwa in einer Altenhilfeeinrichtung gefunden werden, die allen Beteiligten möglichst gerecht wird. Denn: "Organisationale Ethik entlastet die Mitarbeitenden und erhöht so die Pflegequalität".

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