Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase

17.09.2019 // Im Heinrich-Roleff-Haus soll ein neues Beratungsangebot die Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner am Lebensende stärken, die Vorsorge verbessern und eine praktische Hilfe zur Entscheidungsfindung sein.

Bei der Gesundheitlichen Versorgungsplanung geht es um die Wünsche für die letzte Lebensphase: Kathrin Mauksch (links) und Anja Kottig im Beratungsgespräch mit Betroffenen.

Als erstes Haus der Domus Caritas hat das Heinrich-Roleff-Haus die "Gesundheitliche Versorgungsplanung am Lebensende" (GVP) als Standardangebot in sein Pflege- und Betreuungskonzept aufgenommen. Dafür haben sich zwei Pflegefachkräfte zu Fachberaterinnen weitergebildet, die auf Anfrage eine entsprechende Beratung einer Bewohnerin oder eines Bewohners zusammen mit Angehörigen in der Einrichtung durchführen.

Mit dem Hospiz- und Palliativgesetz hat der Gesetzgeber bereits 2015 die Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase rechtlich verankert (§132g, SGB V). Damit wurde für stationäre Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe die Möglichkeit geschaffen, ihre Bewohnerinnen und Bewohner oder deren Vertreter/Angehörige über die Angebote der Palliativmedizin und -pflege zu beraten und ihnen Entscheidungshilfen über Art und Umfang ihrer Behandlung am Lebensende an die Hand zu geben. "Die GVP-Beratung schließt damit eine Lücke", urteilt Einrichtungsleiter Clemens Schulze Beiering, "denn auch die beste Patientenverfügung kann nicht alle Fragen, die am Ende des Lebens auftreten können, im Vorhinein beantworten." Häufig sei es daher in einer konkreten Situation notwendig, mit allen Beteiligten noch einmal darüber zu sprechen, welche Behandlungsmaßnahmen tatsächlich sinnvoll sind und von der Bewohnerin oder dem Bewohner noch gewünscht werden.

Kathrin Mauksch und Anja Kottig, beide erfahrene Pflegefachkräfte und langjährige Wohnbereichsleiterinnen, haben sich in diesem Jahr zu GVP-Beraterinnen ausbilden und zertifizieren lassen und führen nun die Beratungsgespräche durch. "Der Wille des Bewohners ist entscheidend", sagt Kathrin Mauksch, "selbst wenn er ihn nicht mehr ausdrücken kann". Dann müsse der mutmaßliche Patientenwille auf andere Weise ermittelt werden, zum Beispiel durch Verhaltensbeobachtungen oder der Befragung der Angehörigen. " Wichtig ist, das Gespräch zu suchen, bevor eine schwierige gesundheitliche Situation eintritt, die eine schnelle Reaktion erfordert", ergänzt Anja Kottig. Wenn gut besprochen und dokumentiert ist, wie zum Beispiel bei einem medizinischen Notfall gehandelt werden soll, dann können alle Beteiligten sicher reagieren. "Planung reduziert Unsicherheit", resümiert Einrichtungsleiter Schulze Beiering, "bei den Pflegenden genauso wie bei den Angehörigen oder beim Arzt". Und gleichzeitig werde die Selbstbestimmung der Bewohner unterstützt.

Im Rahmen der Beratungsgespräche informieren Anja Kottig und Kathrin Mauksch über viele verschiedene Angebote, die für die letzte Lebensphase hilfreich sein können: palliative, medizinische und pflegerische Maßnahmen, hospizliche Begleitung und Seelsorge, Vorsorgemöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen. "Und natürlich liegen uns die ganz persönlichen Fragen und Nöte unserer Gesprächspartner besonders am Herzen", erklären die beiden Beraterinnen. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass die GVP für die gesetzlich versicherten Bewohnerinnen und Bewohner keine zusätzlichen Kosten verursacht. Außerdem ist die Beratung freiwillig, niemand muss sie in Anspruch nehmen. Die beiden GVP-Beraterinnen haben allerdings bereits die Erfahrung gemacht, dass sowohl die Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Angehörigen sehr dankbar sind für das neue Beratungsangebot. "Die Betroffenen fühlen sich am Ende einfach sicherer", lautet ihr Fazit.

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