Wortgottesdienst für Demenzerkrankte im Carl-Sonnenschein-Haus

17.10.2018 // Seit zwei Jahren veranstaltet Andrea Stübbe-Hüsing, Seelsorgliche Begleiterin im Carl-Sonnenschein-Haus in Ochtrup, regelmäßig Wortgottesdienste unter dem Motto "Halt mal inne". Angesprochen sind dabei insbesondere Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, die alle drei Monate in die Kapelle der Einrichtung und zum anschließenden Kaffeetrinken eingeladen sind.

Im September besuchten rund 25 Menschen mit Demenz mit ihren begleitenden Angehörigen den Gottesdienst in der kleinen Kapelle des Hauses. Der Gottesdienst stand unter dem Thema "Ein Freund, ein guter Freund". Dazu kamen auch einige Erinnerungen zu Freundschaften wieder ins Bewusstsein der Teilnehmenden, etwa aus der eigenen Kindheit. "Ich habe auch das Lied von Heinz Rühmann abgespielt, und so mancher Senior hat mitgesungen", freut sich Andrea Stübbe-Hüsing.

Anhand einer biblischen Schriftlesung versucht die Seniorenseelsorgerin, mit der Gottesdienstgemeinde ins Gespräch zu finden. Zudem gehören immer auch die Fürbitten, das Vaterunser und der Segen zum festen Ablauf des Wortgottesdienstes, der mit seiner klaren Struktur besonders auf die religiös-spirituellen Bedürfnisse von Demenzkranken abgestimmt ist, aber auch den Angehörigen einen Moment des Innehaltens ermöglichen soll. Wichtig sind vor allem bekannte Kirchenlieder, die viele von früher her kennen und auswendig singen können. "Dabei ist 'Großer Gott wird loben Dich' immer das Schlusslied."

Länger als eine halbe Stunde darf der Gottesdienst nicht dauern, hat Andrea Stübbe-Hüsing festgestellt, da die Aufmerksamkeitsspanne der Demenzkranken begrenzt ist. Zum festen Ablauf gehört es auch, den Teilnehmenden ein Bild oder ein anderes Erinnerungszeichen mit auf den Weg zu geben, das sie später noch einmal anschauen können. Die anschließende, gemütliche Kaffeerunde dient dem gegenseitigen Kennenlernen und Austausch. "Die Mehrzahl der Teilnehmenden kommt zwar aus der Einrichtung, aber es kommen auch immer wieder Menschen aus dem Ort mit ihren Angehörigen", freut sich Stübbe-Hüsing. Daher wolle sie auch weiter den Gottesdienst auf Plakaten und in der Zeitung ankündigen.

Gerade die Angehörigen sind sehr dankbar für das Angebot eines speziellen Gottesdienstes in einem geschützten Rahmen wie im Carl-Sonneschein-Haus, weiß Andrea Stübbe-Hüsing aus Gesprächen. Schließlich kann auffälliges Verhalten im "normalen" Gottesdienst unter Umständen peinliche Gefühle für alle Beteiligten zur Folge haben. "Bei uns im Haus ist ein vermeintlich auffälliges Verhalten jedoch Alltag", betont die Seelsorgerin. "Bei uns darf jeder so sein, wie er ist."

Der nächste Demenz-Wortgottesdienst im Carl-Sonnenschein-Haus findet am 1. Dezember 2018 um 15.00 Uhr statt!

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