Das Caritas Nachbarschaftshaus Michael in Steinfurt-Borghorst ist eine feste Größe im Weberquartier und viele Borghorsterinnen und Borghorster nehmen an den verschiedenen Angeboten teil.
Seit Oktober 2020 arbeiteten die zwei Quartiersmanagerinnen Andrea Jäger und Verena Wilmer daran, den Gedanken der Nachbarschaftlichkeit mit den Menschen des Weberquartiers und auch über die Nachbarschaft hinweg zu entwickeln. Die Statistik weist heute über 4000 Kontakte zu Bürgerinnen und Bürgern aus - und rund 60 Ehrenamtliche engagieren sich bei der Programmgestaltung: Bingo-Runde, Singen, Bewegung, Formularhilfe, Plauderbank, Spieletreff, Café Klönschnack - die Angebote sind so vielfältig wie die Menschen, die sie gestalten und besuchen. Das Programm wirkt - gegen Einsamkeit, bei der Gesundheitsprävention und der gesellschaftlichen Teilhabe. Falls es nötig wird, sind die Wege zu den verschiedensten Hilfs- und Beratungsangeboten kurz. Hier fungieren die Quartiersmanagerinnen als Lotsen für Hilfen in den verschiedensten Lebenslagen.
Jugendliche beraten und unterstützen zumeist ältere Menschen beim Einstieg in die digitale Welt und beantworten weitergehende Fragen.
Seit 2020 bis zum Herbst 2025 ermöglichte eine Förderung der Deutschen Fernsehlotterie den Einsatz der Quartiersmanagerinnen. Wie sollte es weitergehen? Seit einem Jahr bemühte sich die Domus Caritas gGmbH als Trägerin, am Ende der Projektförderung eine regelmäßige Finanzierung des Personals im Nachbarschaftshaus zu erreichen. Eine dauerhafte Finanzierung fand im kommunalpolitischen Entscheidungsprozess bis heute jedoch keine Mehrheit. Seit Anfang des Jahres stemmte die Domus Caritas gGmbH die Personalkosten - ein Zustand, der nicht auf Dauer durchzuhalten ist. Geschäftsführer Burkhard Baumann erläutert: "Schon während der Förderphase haben wir uns mit Eigenmitteln in die Finanzierung des Personals eingebracht und nach dem Auslaufen der Förderung seit Anfang des Jahres die Personalkosten zu 100 Prozent übernommen. Da sich bis dato trotz aller Bemühungen keine Perspektive für Zuschüsse aufgetan hat, müssen wir nun verantwortungsvoll reduzieren. Dabei gilt unser besonderes Augenmerk den heutigen Engagierten und Nutzenden des Nachbarschaftshauses."
In der Konsequenz wird der Stellumfang des Quartiersmanagements bis Anfang 2027 schrittweise gesenkt. Verena Wilmer scheidet bereits zum Oktober 2026 als Ansprechpartnerin aus, Andrea Jäger wird ab Januar 2027 ihre Stelle ebenso reduzieren müssen. Das wird auch inhaltliche Folgen haben: Netzwerke und Quartiersarbeit fallen weg, neue Projekte werden nicht mehr angegangen.
Die Quartiersmanagerinnen Verena Wilmer (links) und Andrea Jäger vor dem Nachbarschaftshaus an der Rubensstraße 53
Aber die vielen Menschen, die das Quartier in den vergangenen Jahren mitgestaltet haben, sollen auch künftig verlässliche Unterstützung erfahren. Es braucht professionelle Begleitung, Koordination und verlässliche Rahmenbedingungen. Ziel der Neuausrichtung ist deshalb ausdrücklich nicht, Verantwortung auf Ehrenamtliche zu verlagern, sondern das bestehende Engagement trotz eingeschränkter personeller Ressourcen bestmöglich zu begleiten und zu sichern. Um das zu gewährleisten, bündelt die Caritas gezielt die vorhandenen Kräfte in der Engagementförderung. Konkret wird der Fachbereich Gemeindecaritas dabei unterstützen, den Betrieb des Nachbarschaftshauses im Alltag zu ermöglichen, so dass für freiwillig Engagierte regelmäßig Ansprechpersonen vor Ort sind. Dazu zieht die Gemeindecaritas von Burgsteinfurt in das Nachbarschaftshaus.
"Das Herzstück unserer Arbeit waren und sind die Menschen im Quartier. Besonders die vielen Ehrenamtlichen haben das Nachbarschaftshaus zu dem gemacht, was es heute ist: ein Ort der Begegnung, des Miteinanders und der gegenseitigen Unterstützung. Dafür wird in Zukunft weniger Zeit da sein - durch das Zusammenrücken mit den Kolleginnen und Kollegen der Gemeindecaritas hoffen wir, dass diese besondere Qualität erhalten bleiben kann." blickt Quartiersmanagerin Andrea Jäger in die Zukunft.
Die Strategie lautet also: Bewährtes erhalten, Ressourcen bündeln und verantwortungsvoll reduzieren. Ziel bleibt es, das Nachbarschaftshaus Michael wie bisher als einen offenen Begegnungsort und eine Plattform für die bestehenden Angebote, Beratungsleistungen, Begegnung und ehrenamtliches Engagement zu erhalten.
